Warum präsente Väter immer noch Einzelkämpfer sind und warum das niemand ausspricht.
Alle wollen präsente Väter. Mehr Care-Arbeit, mehr Beteiligung, mehr Haltung. Und ich war bereit, genau das zu leben. Ich war sogar bereit, mein altes Leben dafür einzutauschen. Was mir niemand gesagt hat:
wie einsam dieser Weg werden kann.
Die Entscheidung
Als meine Frau 2020 schwanger wurde, war die Welt im Ausnahmezustand. Corona hat alles lahmgelegt, meine Selbstständigkeit als People-Fotograf brach zusammen. Existenzängste begleiteten mich täglich. Doch in all dem Chaos gab es eine klare Entscheidung:
Aufgeben ist keine Option.
Ich bin Vater und Vorbild.
Ich räume auf, treffe Entscheidungen für das Gesamtwohl und gehe den Weg bewusst weiter.
Ich bin nicht der Vater, der abends kurz vorbeischaut. Nicht der Wochenend-Papa.
Als Vollzeitpapa bin ich präsent – körperlich, emotional – seit der Geburt meiner Tochter und meines Sohnes jeden Tag, 24/7. Ich habe jede Windel gewechselt, jede Krankheit begleitet, jede schlaflose Nacht mitgetragen, getröstet, gekocht, gelacht. Ich habe meine Frau durch die Schwangerschaft begleitet, die Geburten hautnah miterlebt, Nabelschnüre durchtrennt, sie im Wochenbett unterstützt, aufgebaut und stütze sie noch immer. Und gleichzeitig kämpfe ich darum, als Mensch und Mann weiter zu existieren: meine Selbstständigkeit zu sichern, unsere Beziehung bewusst zu pflegen und meine mentale sowie körperliche Gesundheit zu bewahren.
2020 begann ich zu laufen, um nicht an meinen Ängsten zu zerbrechen. Lange war Laufen ein Weglaufen vor meinen Problemen. Doch ich blieb da, weil meine Familie mich braucht. Und ich bin es immer noch. Weil ich ein Vorbild bin.
Der Preis der Präsenz
Ich bin kommunikativ, gehe leicht in Gespräche. Doch ich hätte nie gedacht, wie isolierend es für einen Mann sein kann, viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. In Krabbelgruppen, auf Spielplätzen, beim Turnen, ich war überall.
Und fast immer der einzige Mann.
Frauen sehen mich, lächeln, tolerieren mich. Doch die Distanz bleibt. Es ist ein Schutzraum für Frauen, nie für Männer gedacht. Sozial akzeptiert, aber nicht integriert. Ich habe jahrelang versucht, Anschluss zu finden – Smalltalk, Austausch, Nummern tauschen. Vergebens. Die Kinder spielten glücklich zusammen, Gespräche waren freundlich, Sympathie war da.
Und dennoch: kein echter Kontakt.
Seit 2020 habe ich nie eine Mutter wirklich kennengelernt. Geschweige denn Väter. Die wenigen, die auftauchen, sind gehetzt, abwesend, im Kopf wieder bei der Arbeit. Körperlich anwesend, mehr nicht. Ein einziger Vater wurde zu einem wirklichen Freund. Ein einziger seit fünf Jahren.
Ich wurde zu dem Vater, den sich so viele Frauen wünschen und doch bleibe ich unsichtbar.
Trotz Schmerz, fehlender Integrität und Einsamkeit gehe ich den Weg weiter. Ich halte den Raum für meine Kinder.
Der Moment, der alles veränderte
Mit der Geburt meines Sohnes kam ein Satz in mein Leben zurück:
Du bist sein Vorbild.
Und plötzlich musste ich mich meiner Männlichkeit stellen. Nicht der alten Performance-Männlichkeit unserer Väter, schweigend, unterdrückend, funktionierend.
Sondern einer Männlichkeit, die trägt. Die sich der Schatten stellt, fühlt, kommuniziert, versteht. Die den Rucksack der Vergangenheit leert, um präsent zu sein. Mir wurde klar:
Männlichkeit ist kein Gegenpol zur Fürsorge. Sie ist ihr Fundament.
Doch dieser Weg verlangt Leidensfähigkeit, Disziplin, Willenskraft und das Verlassen der Komfortzone. Und er isoliert. Es gibt kaum Räume, in denen Väter offen über Sorgen und Ängste sprechen können. Kaum Männer, die sich öffnen.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Ich lese oft – meist von Frauen:
„Wir wollen präsente Männer bzw. Väter.“
„Wir wünschen uns Männer, die emotional da sind.“
Doch wenn ein Mann diesen Weg wirklich geht, wird er selten hineingelassen in die soziale Realität, die ihn tragen sollte. Türen stehen theoretisch offen, praktisch bleiben sie einen spaltbreit zu.
Mein Fazit nach fünf Jahren
Ich bin dankbar, diesen Weg gehen zu dürfen. Doch er ist hart, weil ich mich zwischen zwei Welten bewege. Räume, in denen überwiegend Mütter sind, fühlen sich offen an, aber nicht für mich gemacht. Unter den Männern bin ich der Exot.
Oft bin ich der einzige Vater im Raum und dennoch kein Teil davon.
Was bleibt, ist eine Entscheidung
- Ich gehe diesen Weg weiter.
- Für meine Tochter.
- Für meinen Sohn.
- Für meine Frau.
Veränderung beginnt leise:
- In den Schatten.
- Im Alltag.
- Im Aushalten.
Vielleicht gibt es eines Tages einen Platz für präsente Väter. Nicht am Rand, sondern mittendrin. Bis dahin gehe ich weiter, mit meinen Kindern an der Hand und der Klarheit, dass manche Wege einsam und trotzdem richtig sind.
Eine ehrliche Frage an dich als Mutter:
Stell dir vor, du siehst einen Vater, der mit seinem Kind am Spielplatz, in der Turngruppe oder bei anderen Aktivitäten präsent ist. Ihr versteht euch gut, die Kinder spielen miteinander, es geht ausschließlich um die Kinder, nicht um eine Beziehung oder Partnersuche.
Wie offen wärst du, den Kontakt zu knüpfen, Nummern auszutauschen, damit die Kinder vielleicht wieder gemeinsam spielen?
Klar handeln. Bewusst führen.
Der Alltag bringt viele Anforderungen: Arbeit, Kinder, Haushalt. Für Männer ist es oft schwer, Präsenz, Klarheit und Verantwortung zu steuern. Ein strukturiertes System hilft Schritt für Schritt, Orientierung zu gewinnen und Verantwortung gezielt zu übernehmen, für mehr Ruhe und Struktur im Alltag.
Die 4 Schritte inneren Selbstführung sind ein praxisnahes System, das zeigt, wie du Entscheidungen, Energie und Zeit klar ausrichtest, für mehr Präsenz und Struktur im Familienalltag. Wenn der Mann sich damit entwickelt, bringt das automatisch Vorteile für dich, die Kinder und das gemeinsame Familienleben. Weniger Chaos, mehr Klarheit, geregelte Abläufe. Kostenlos verfügbar – sofort umsetzbar.
Die 4 Schritte innerer Selbstführung
Witalij – Der friedvolle Krieger
Familienvater & Coach für Väter

Witalij ist zweifacher Vater und kennt den täglichen Spagat zwischen Verantwortung, Belastung und dem Wunsch, ein klarer, präsenter Mann und Vater zu sein. Aus eigenen Erfahrungen mit extremen Herausforderungen wie Burnout und Alkohol hat er gelernt, wie wichtig Selbstführung und innere Klarheit sind. Er zeigt praxisnah, wie alte Muster aufgelöst, innere Stabilität aufgebaut und echte Präsenz für die Familie gelebt werden kann.


Ich finde das einen wunderbaren (wobei natürlich traurigen) und ehrlichen Artikel! Danke dir!
Und gleichzeitig hab ich das Glück, dass die anderen Eltern in der Kita meiner Tochter sehr progressiv und gleichberechtigt sind. Und so kommt es, dass wenn wir am Freitag uns im Kindertheater treffen ich als einzige Frau neben vier Papas draussen auf unsere Kiddies warte 😉 Und am Sonntag in der Abenteuerhalle (organisiert von den Stadt-Zürcher Schulen – sehr zu empfehlen!) ist es meistens 50:50. Es ist also möglich ein tolles Biotop zu finden, wenn auch schwer. Ich mag die Freundschaften, die draus entstanden sind. Ehrlich, bodenständig, entspannt – weil es so eh am einfachsten ist um Kinder herum. Dieses Gestresste von dem du erzählst kann ich total verstehen, aber genau deswegen machen wir in unserer Kita-Clique ab – weil gemeinsam ist es viel, viel entspannter. Die Kiddies toben sich auf dem Spielplatz aus – wir Erwachsenen erzählen uns aus unserem Leben und vom struben & schönen Alltag. Aber ja, musste ich auch erst bewusst bauen diesen Circle. Aber diese Kita-Freundschaften zwischen den Kiddies und den Eltern sind gold wert 🙂 Ohne die hätte ich die ersten Jahre nicht durchgestanden!
Danke dir fürs Teilen deiner Erfahrung. Das, was du beschreibst, ein funktionierendes, bewusst aufgebautes Miteinander, ist enorm wertvoll. Und gleichzeitig genau der Punkt, an dem viele Systeme scheitern oder gar nicht erst hinkommen. Für mich zeigt dein Beispiel: Es ist möglich. Aber es braucht Initiative, Bereitschaft und die Entscheidung, Räume aktiv zu gestalten. Sie entstehen selten von selbst. Ich finde es stark, dass ihr für euch so einen Kreis gefunden habt. Und ich wünsche mir, dass genau diese Haltung weiterwächst – mit mehr Offenheit, mehr Entscheidungskraft und immer mit Blick auf die Kinder.