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Der Schritt zurück in den Beruf nach der Geburt eines Kindes ist meist von einem partnerschaftlichen Kompromiss geprägt: Während Väter ihr Pensum seltener reduzieren, steigen viele Mütter nach der Babypause in Teilzeit wieder ein – oft mit Pensen zwischen 40 und 60 Prozent. Was im Alltag als gute Balance aus Care-Arbeit und Karriere erscheint, entpuppt sich beim Blick auf das spätere Vorsorgekonto als finanzielle Herausforderung. Die geringeren Beitragsjahre und tieferen Einkommen können in der Schweiz zu einer spürbaren Vorsorgelücke führen.

Das Problem: Der Koordinationsabzug als Barriere in der 2. Säule

Die grösste Hürde für teilzeitarbeitende Mütter liegt in der beruflichen Vorsorge (BVG), der 2. Säule. Das Schweizer System ist historisch auf Vollzeiterwerbstätige ausgerichtet. Der sogenannte Koordinationsabzug bestimmt, welcher Teil des Lohns überhaupt versichert ist. Dieser feste Betrag liegt aktuell bei 26’460 Franken (Stand: 2026).

Das mathematische Problem dahinter verdeutlicht die Härte der Teilzeit-Falle: Verdient eine Mutter nach der Baby-Pause bei einem 50-Prozent-Pensum noch 45’000 Franken brutto im Jahr, werden davon 26’460 Franken abgezogen. Versichert und mit Sparbeiträgen bespart werden somit lediglich 18’540 Franken. Der versicherte Lohn schrumpft überproportional zum tatsächlichen Einkommen. Sinkt das Pensum noch weiter und der Jahreslohn fällt unter die BVG-Eintrittsschwelle von 22’680 Franken, entfällt die Aufnahme in die Pensionskasse komplett. Die Folge ist ein vollständiger Stopp des Vermögensaufbaus in der zweiten Säule für diese Jahre.

Bildquelle: gemini.com – AI generated

Analyse der Schwachstellen: Hier entsteht die Vorsorgelücke

Um die eigenen Finanzen effektiv zu schützen, müssen die Defizite in allen drei Säulen des Schweizer Systems lokalisiert werden:

  • Säule (AHV): Hier gilt die strikte Pflicht zur Lückenlosigkeit. Jedes fehlende Beitragsjahr führt zu einer lebenslangen Rentenkürzung von 1/44, also rund 2,3 Prozent. Erziehungsgutschriften mildern den Ausfall während der Kindererziehungsjahre, werden aber nur für Jahre angerechnet, in denen das jüngste Kind unter 16 Jahren ist.
  • Säule (Pensionskasse): Neben dem Koordinationsabzug fehlen durch den geringeren Lohn Zins- und Zinseszins-Effekte über Jahrzehnte. Spätere Einkommenssteigerungen können diese Lücke aufgrund des Faktors Zeit kaum noch vollständig kompensieren.
  • Säule (Private Vorsorge): Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, darf bis zu 7’258 Franken pro Jahr in die Säule 3a einzahlen. Wer nicht in einer Pensionskasse versichert ist, kann alternativ bis zu 20 Prozent des Erwerbseinkommens in die Säule 3a einzahlen, maximal 36’288 Franken. Doch durch das geringere Budget im Teilzeitjob fehlt im Alltag oft schlicht das Geld, um die private Sparquote konsequent aufrechtzuerhalten.
Erwerbspensum Beispielhafter Bruttolohn Koordinationsabzug Versicherter BVG-Lohn Auswirkung auf die Altersvorsorge
100% (Vollzeit) CHF 90’000 CHF 26’460 CHF 63’540 Solider Aufbau von Altersguthaben und Zinseszins.
50% (Teilzeit) CHF 45’000 CHF 26’460 CHF 18’540 Überproportionale Reduktion des versicherten Kapitals.
30% (Geringfügig) CHF 27’000 CHF 26’460 CHF 540 Minimaler BVG-Sparanteil; deutlich erhöhtes Risiko von Vorsorgelücken.
Unter Minimum < CHF 22’680 Nicht anwendbar CHF 0 Keine Aufnahme in die Pensionskasse. Keine BVG-Beiträge.

Strategien zur Schliessung der Vorsorgelücke

Die finanzielle Unabhängigkeit von Müttern erfordert kein Aufgeben des Teilzeitmodells, sondern ein cleveres, strukturiertes Gegensteuern durch gezielte Absprachen und finanzielle Instrumente.

Anpassung des Koordinationsabzugs einfordern

Viele Arbeitgeber bieten fortschrittliche Vorsorgeelemente an. Frauen sollten bereits im Einstellungs- oder Reduktionsgespräch verhandeln, dass der Koordinationsabzug proportional an das Arbeitspensum angepasst wird. Bei einem 50-Prozent-Pensum würde der Abzug dann nur noch 13’230 Franken betragen, wodurch ein wesentlich grösserer Teil des Lohns in der Pensionskasse versichert bleibt und verzinst wird.

Das Splitting-Modell in der Partnerschaft etablieren

Care-Arbeit ist Arbeit. Wenn ein Elternteil zugunsten der Kindererziehung beruflich zurücksteckt, erbringt er eine Leistung für die gesamte Familie. Daher sollte der finanzielle Nachteil solidarisch ausgeglichen werden. Partner können vertraglich vereinbaren, dass der Vollzeiterwerbstätige einen monatlichen Ausgleichsbetrag direkt auf das private Säule-3a-Konto der Mutter überweist.

Konsequente Nutzung und Anlage der Säule 3a

Die Säule 3a ist das flexibelste Werkzeug, um verpasste BVG-Beiträge teilweise auszugleichen. Statt das Geld auf einem klassischen, kaum verzinsten Vorsorgekonto liegenzulassen, sollten Mütter aufgrund des langen Anlagehorizonts bis zur Pensionierung auf wertpapierbasierte Vorsorgefonds setzen. Aktieninvestments können die inflationsbedingte Entwertung besser abfedern und nutzen den Zinseszins-Effekt langfristig stärker.

Um hierbei keine Fehlentscheidungen zu treffen, lohnt sich der Blick auf eine professionelle Begleitung. Eine unabhängige Vorsorgeberatung der AXA Schweiz hilft dabei, die individuelle Situation zu analysieren, Deckungslücken zu berechnen und passende Anlagestrategien für den Schweizer Markt aufzusetzen.

AHV-Beitragslücken aktiv schliessen

Ein Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) bei der AHV-Ausgleichskasse gibt schnell Gewissheit über eventuelle Fehljahre – etwa durch längere Auszeiten oder unvollständig abgerechnete Jobs im Studium. Fehlende Beiträge können grundsätzlich innerhalb von fünf Jahren nachgezahlt werden. Zudem müssen verheiratete oder in eingetragener Partnerschaft lebende Mütter darauf achten, dass die Beitragsregeln für nichterwerbstätige Ehepartner korrekt eingehalten werden, falls sie selbst gar kein Einkommen erzielen.

Finanzielle Selbstbestimmung aktiv gestalten

Die Teilzeit-Falle ist kein unabwendbares Schicksal, sondern die Folge von Systemstrukturen, die durch kluge Eigeninitiative abgemildert werden können. Wer nach der Baby-Pause die eigenen Vorsorgedaten analysiert, den Koordinationsabzug mit dem Arbeitgeber verhandelt und die private Vorsorge als fixen Posten in das Familienbudget integriert, stärkt die finanzielle Unabhängigkeit für das Alter.

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