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FRAG PILLOU: WIE RITUALE GEGEN ANGST HELFEN KÖNNEN

von Racha Fajjari

Hallo! Ich bin Pillou, der sprechende Pullover. Ich bin auf die Erde gekommen, um Kindern und Eltern zu unterstützen. Sie mutiger, Selbstbewusster und intuitiver zu machen. In meinem ersten Buchabenteuer: Pillou der sprechende Pullover, das Geheimnis der Regenbogenwolle, kannst Du mehr über meine Intension und mein Dasein erfahren.

Ich wünsche mir, dass Ihr Menschen, gross wie klein, beginnt hinter den Vorhang zu schauen. Dass Ihr versucht Euch selbst und andere besser zu verstehen und auch alte Systeme zu hinterfragen.

Alles hat eine Ursache, einen Beginn und wenn man diesen kennt und versteht, kann man andere Blickwinkel einnehmen und Lösungen anstreben, die für alle eine Win-Win Situation bedeuten.

Eines meiner Lieblingszitate lautet: Zusammen sind wir stark!

In dieser Kolumne: «Frag Pillou» werden wir Themen aus der Mamalicious Community aufgreifen und diese aus der Perspektive des Kindes, beleuchten. Es geht dabei nicht um richtig oder um falsch, nur darum, aus seinem eigenen Gedankenkarussell austeigen zu können, um neue Ansichten gewinnen zu können. Vielleicht hast Du ja, Lust, Dich darauf einzulassen?!

Heute in der 2. Kolumne geht es um die Angst, und wie Rituale helfen können

Kennst Du das? Dein Kind möchte immer und immer wieder das gleiche Lied hören, die gleiche Geschichte vorgelesen bekommen, das gleiche Hörspiel hören? Uff, das kann ganz schön anstrengend sein…

Auch wenn das Erwachsene so gar nicht nachvollziehen können, so dienen diese Wiederholungen als Strukturierungs-und Orientierungshilfen für Kinder. Unser Gehirn misst Dingen erst eine Bedeutung bei, wenn sie sich wiederholen, sie häufiger vorkommen. Bis zu 50 Wiederholungen benötigt es, bis neuronale Vernetzungen im Hirn entstehen.

Unzählige Studien zeigen, dass diese Wiederholungen, die sich zu Ritualen entwickeln im Alltag für Kinder sehr wichtig sind. Diese geben Halt, Stabilität, Sicherheit, und reduzieren Ängste. Kinder müssen Orientierungshilfen haben, um ihre Eigen- und Selbständigkeit, und innere Stärke entwickeln zu können.

Doch was, passiert in Zeiten, wie diesen, wo alles anders ist, bewährte Rituale beispielsweise im Kindergarten oder der Schule unterbrochen oder aufgehoben werden? Gewohntes über Nacht verschwindet, Strukturen abhandenkommen?

Das was für Erwachsene schon herausfordernd ist, wirkt bei Kindern um ein Vielfaches.

Es entsteht Angst und Unsicherheit. Die Kinder verlieren buchstäblich den Boden unter den Füssen.

Kinder sind längst nicht so geübt, wie Erwachsene im Thema Improvisation. Kunststück, Ihr Erwachsenen durftet auch 20/30 Jahre mehr üben, und habt damit viel mehr Optionen.

Zu diesen Belastungen von aussen kommen häufig die Wahrnehmungen in der eigenen Familie. Kinder fühlen Euch! Jede Gefühlsregung erscheint auf dem Kinder-Radar. Und auch, liebe Eltern, wenn man sich noch sehr versucht am Riemen zu reissen, die eigenen Ängste zu verschleiern, Eure Kinder sind von klein auf   trainiert Euch zu lesen, zu analysieren, hinter die Fassade zu schauen.

IHR könnt ihnen kein x für ein u vormachen.

Das Bedürfnis, Eure eigenen Themen, vor den Kleinen zu verstecken, ist liebevoll gedacht, führt aber zu noch mehr Verunsicherung. Nicht selten hinterfragen Eure Sprösslinge ihre Beobachtungen. Wenn man dann nicht ehrlich antwortet, verlieren sie den Glauben an ihre eigenen Überzeugungen, und verlernen so ihrer Intuition zu vertrauen, diese zu nutzen.

Diese Verunsicherungen können sich in unterschiedlichster Weise zeigen. Manche Kinder verstummen regelrecht, ziehen sich zurück, andere reagieren lautstark mit aggressivem und auffälligem Verhalten. Es kann sich in Konzentrationsstörungen, Ess- oder Schlafstörungen, Verdauungsproblemen äussern. Der Mangel an Sicherheit, kann viele Gesichter haben.

Wie geht man nun am besten mit diesen Situationen um? Alles beginnt immer bei sich selbst!

Gerade heute habe ich ein Video mit Kim, der Pillou Botschafterin gedreht. Sie fragte mich, was man tut, wenn einen die Angst überfällt.  Seht selbst…

Dieses Video ist für deine Liebsten, zum mithören!

Alle Gefühle sind grundsätzlich unsere Freunde. Sie kommen nicht einfach so, weil sie nichts anderes zu tun haben. Sie kommen, weil sie uns unbedingt etwas aufzeigen möchten.

Rumi hat dazu ein wunderbares Gedicht geschrieben.

Das Gasthaus

Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus.
Jeden Morgen ein neuer Gast.
FreudeDepression und Niedertracht –
auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit
kommt als unverhoffter Besucher.

Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist
die gewaltsam Dein Haus
seiner Möbel entledigt.
Selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll
vielleicht reinigt er Dich ja
für neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein.

Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu Deiner Führung geschickt worden
aus einer anderen Welt.

RUMI

Ob es sich nun um eine Freude oder eine große Schwierigkeit handelt, Rumi ermutigt uns, uns dem zu öffnen, was das Leben uns bringt – innerlich oder äußerlich. Diese Ankünfte können unerwartete Besucher wie Depressionen, Trauer oder Gemeinheit beinhalten, aber wir sollen sie alle „willkommen heißen und unterhalten“, sagt Rumi.

Ich gehe noch einen Schritt weiter.  Ich frage meine Gefühle: warum bist Du hier?  Was hat Dich ausgelöst und auf was willst Du mich hinweisen?

Die Antworten sind meist verblüffend!

Nochmal: Gefühle sind unsere Freunde, sie wollen uns helfen, wollen auf einen Missstand hinweisen, wollen dass es uns gut geht. Ihr Menschen tragt alle Antworten in Euch!

Ich glaube, dass man anderen nur helfen kann, wenn man sich selbst hilft, sich selbst ernst nimmt, seine eigenen Gedankengänge nachvollziehen kann, und sie versteht.

BEWUSST SEIN ist schon die halbe Miete, da die Dinge nicht mehr unterbewusst, unbemerkt an einem vorbeirauschen.

Der erste Schritt in der Elternschaft, in Beziehungen, eigentlich überall ist: Verstehe Dich selbst! Warum fühlst Du Dich, wie Du Dich fühlst? Was steckt dahinter.

Wenn Du so mit Dir selbst umgehst, wird es Dein Kind kopieren, es Dir gleichtun. Kinder lernen mehr aus Deinem Verhalten, als von dem was Du ihnen beibringen willst.

Auch Du kannst ganz viel über Dein Kind herausfinden. Beginne es bewusst zu beobachten, finde heraus, was Dein Kind beschäftigt, was es braucht. Spreche mit Erziehern/Lernpersonen/Grosseltern was das Kind äussert, wie es sich verhält.

Beobachte seine Rollenspiele. Was sind die Inhalte?

Letzte Woche hat mir eine Dreijährige beim Video Call, ein «bleib gesund, Pillou» zum Abschluss gewünscht. Schnell konnte ich ihr sagen, dass sprechende Pullover kein Corona bekommen können, und sie damit beruhigen. Der Virus ist präsenter als uns lieb ist.

Spreche die Dinge offen an! Nehme alle Fragen, Bemerkungen Deines Kindes ernst und rede darüber!

Keiner kennt im Moment die Reiseroute. Es ist nicht schlimm, diese nicht zu kennen. Wir reisen quasi von Tag zu Tag, von Ort zu Ort, ohne das Endziel zu kennen.

Du kannst Deinen Kleinen durchaus die Wahrheit zumuten. Sei ehrlich, authentisch, erkläre, dass wir uns auf einer Reise ins Unbekannte befinden. Diese Reise kann man nur von Tag zu Tag betrachten. Wir leben einfach von heute auf morgen, und machen das Beste aus dem Moment!

Wichtig dabei ist, wieder ein Stückweit Normalität zu kreieren, Corona nicht zum Dauerbrenner werden zu lassen.

Sicherheit,  Stabilität, Normalität,  für Deine Familie und Dich, schaffst Du wie eingangs erwähnt über Rituale.

Essrituale:

  • Versucht mindestens einmal am Tag als gesamte Familie zusammen zu essen
  • Nehmt Euch ganz viel Zeit dafür, esst in Ruhe
  • Gleiche Tischordnung
  • Handys, Tablets, und andere Störfaktoren haben Tischverbot
  • Startet mit einem Gebet, oder einem Dankbarkeitsspruch ( Ich bin heute dankbar für…)
  • Jeder darf von seinen Tageserlebnissen, oder Tageplänen erzählen
  • Alle sind in dieses Ritual durch Kochen/Wunschessen/Decken/Abräumen involviert
  • Ferkeltag, 1x pro Woche, jeder darf essen, wie er mag, ohne Tischmanieren einhalten zu müssen

Bettrituale Abends:

  • Kinder sollten zur gleichen Zeit zu Bett gehen
  • Immer gleicher Ablauf: Zähneputzen, Duschen/Baden/Bettfertig machen, zusammen kuscheln, Fuss- oder Rückenmassage, Geschichte vorlesen, Gute Nacht Gebet, Dankbarkeitsglas ( 1-2 Dinge wofür man heute dankbar ist aufschreiben, in ein grosses Glas geben, in schwierigen Momenten diese Zettel zusammen lesen und Hoffnung tanken), Umarmung, Gute Nacht Kuss auf unterschiedliche Arten (Nasenkuss, Handkuss, Luftkuss, Knabberkuss, Schlabberkuss, Spidermankuss-Kopfüber küssen)

Bettrituale Morgens:

  • Rechtzeitig aufstehen, viel Zeit einplanen
  • Aufwecken vielleicht mit einem Guten Morgen Lied, oder mit einem Pillou Pullover wachkitzeln,  kuscheln, Anziehen- Lieblingskleidung aussuchen, Highlights des Tages definieren
  • Das Spiegelbild anlächeln und es loben!
  • Abschluss Frühstück: Heute wird ein guter Tag

Qualitätszeit mit Mama und Papa:

  • Jedes Kind hat pro Tag 20/30 Minuten, in denen es aussuchen kann, wie es die Zeit mit dem jeweiligen Elternteil nutzt (Gespräch, Kuscheln, Spielen…)

Wochenendrituale:

  • Lieblingsessen, jeder hat einen Wunsch frei. Beispielsweise Pizza, die nach Gusto unterschiedlich belegt wird
  • Familienbettkuscheln, Kissenschlachten, Frühstück im Bett
  • Viel Zeit für Spiele, Naturerlebnisse, gemeinsame Unternehmungen

Erwachsen Sein:

  • 1x im Monat darf das Kind an einem Freitag oder Samstag bestimmen, was an diesem Tag/Abend gemacht wird. Dies geht von Kochen, über Freizeitaktivitäten, Einschlafzeiten etc. Das Kind übernimmt die Rolle der Erwachsenen, die Erwachsenen werden zu Kindern. Umgekehrte Rollenverteilung. Ein sehr spassiges Ritual.

Trostrituale:

  • Werden dann eingesetzt, wenn das Kind traurig ist, sich verletzt oder erschreckt hat.
  • Arm nehmen, trösten, Kinderpflaster, auffällige bunte Verände.
  • Ein buntes Stofftaschentuch, dass zum trocknen der Tränen, und zum reinigen der Wunden genutzt wird.

Schlechte Träume Rituale:

  • Körperliche Nähe, Streicheleinheiten wirken beruhigend
  • Träume berichten lassen, am nächsten Tag die Protagonisten malen lassen, und Strategien für zukünftige Träume besprechen.
  • Zaubertaschenlampe, die alle Monster, Geister, schlechten Gesellen beim Anleuchten wegzaubert
  • Ggf. ein Nachtlicht zur Verfügung stellen.
  • Mit einem selbstgemachten Pillou Schlafanzug schlafen gehen, Patches um jedes Kleidungsstück zu verzieren gibt es auf www.pillou.de.

Versuche Dir und Deiner Familie, einen schönen, sicheren Rahmen zu geben. Rituale bereichern nicht nur das Leben der Kinder, sondern auch Deines! Schaffe eine Oase der Ruhe und Gelassenheit, egal welcher Sturm draussen tobt!

Und Vergiss nie, der Mensch ist ein Anpassungskünstler! In Krisensituationen setzt er Ressourcen frei, von denen er bislang nicht wusste, dass er sie hat.

Wir sitzen alle im gleichen Boot!

Lasst uns zu Wunderwuzzis werden, die stark, bewusst, und voller Elan aus dieser Krise hervorgehen!

Bis bald! Dein Pillou

FRAG PILLOU: WIE RITUALE GEGEN ANGST HELFEN KÖNNEN

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