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Meine Reise zur Ruhe

von Racha Fajjari
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Olivia hat eine ordentliche Wohnung. Und dennoch, von Entspannung kann keine Rede sein: dort steht noch ein Stapel Wäsche zum Bügeln, den Blumenstrauss muss sie noch zum Kompost bringen, Zeitungen bündeln, da liegt noch eine bunte Socke seit zwei Wochen in der Ecke, das Regal möchte sie noch montieren, Jan hat sein Matheheft liegen lassen…

Kurz vor 40 ging es mir genauso. Ich wusste nicht, wo mir der Kopf stand. Ich hetzte zwischen Kinder, Hausaufgabenbetreuung, Haushalt und Teilzeitjob, Treffen mit einer Freundin und Abendessen mit meinem Ehemann – ich hatte alles, die ich mir wünschte. Aber ich war nur erschöpft. Am liebsten hätte ich alles stehen und liegen gelassen und wäre mit meiner Familie auf eine Weltreise gegangen. Weg von allen To-Do-Listen und Verpflichtungen.

Dann entdeckte ich die KonMari Methode. Ich las nur eine kurze Zusammenfassung darüber: sie hat mir die Augen geöffnet. Für mich eine richtige „Offenbarung“.

Ich startete meinen eigenen Aufräum-Marathon mit sehr viel Enthusiasmus und Energie. Eine Energie, die ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Und je mehr ich loslassen konnte, desto mehr Ordnung konnte ich schaffen und umso mehr kam die Energie zurück. Durch das Entrümpeln konnte ich alte Geister wegscheuchen, unzählige, nicht realisierte Träume loslassen und Platz für neue Kreativität, Kraft und Freude schaffen.

Karine Paulon ist Aufräumcoach und zertifizierte KonMari Beraterin

Die neue Ordnung in unserer Wohnung hat mir meine mentale Freiheit wiedergegeben. Lange vor Marie Kondo, Karen Kingston und weiteren Aufräumgurus, hat uns bereits Feng-Shui gelehrt, dass mit mehr Raum auch mehr Energie fliessen kann.

Es geht hier um viel mehr als nur um eine ordentliche Schublade mit Unterwäsche. Während man sich beim physischen Aufräumen mit Gegenständen beschäftigt, lernt man, dass sie letztendlich eine untergeordnete Rolle in unserem Leben spielen (sollten). Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich den Satz „Macht es mich glücklich?“ („Does it spark joy?“) auf jeden Bereich des Lebens anwenden kann: Auf die Entscheidung, wohin wir in die Ferien gehen, auf mein Essen, auf die Arbeit und, ja, auch auf jede menschliche Beziehung.

Aufräumen mit der Familie

Anfangs war es nicht einfach, meinen Mann und die Kinder an Board zu kriegen. Mein Mann ist ein begnadeter Koch. Also entschied ich mich dafür, unsere Küche gemeinsam mit ihm aufzuräumen. Das wurde für ihn zum Schlüsselerlebnis. Wir haben nur etwa ein Drittel unserer Küchen-Utensilien und -Geräte behalten und seitdem nie etwas vermisst. Wir haben sogar das Gefühl, wir hätten mehr als vorher, weil wir nun immer alles finden. Mein Mann staunt heute noch.

Und die Kinder? Der Grosse ist fast zum Minimalisten geworden („Nein, Mama, ich brauche kein T-Shirt, ich habe schon 2!“), der Jüngere will alles behalten – auch die Plastikente von der letzten Chilbi. Ja, manchmal nervt es mich, aber er liebt seine Sachen, und sein Zimmer aufräumen kann er trotzdem innert Minuten. Jeder in der Familie soll den Raum bekommen, den er braucht zum glücklich Sein. Aktivitäten und Gegenstände, die man liebt, sollen ihren zugewiesenen Platz erhalten.

Unser Zuhause ist nun nicht mehr eine Quelle von Pflichten, sondern ein Zufluchtsort, wo wir uns erholen und Energie tanken können. Egal, wo ich hinschaue: Freude, Energie und positive Erinnerungen lassen mich den anstrengenden Tag vergessen. Gerade in Zeiten von Corona ist dies eine grosse Wohltat für die Familie.

Immer wieder kontaktieren mich ehemalige Kundinnen oder Kunden und erzählen mir dankbar vom „Wunder“, das mit ihren Kindern passiert sei. Die kleine 4-jährige Emma hat von allein angefangen, ihre Kleider zu falten. Die Eltern von Theo haben keinen Streit mehr mit ihm am Morgen, weil er sofort alles findet und bereit ist für den Hort. Noah hat angefangen, zu basteln, statt nonstop am Tablet zu hängen. Genau das kann Ordnung erreichen. Ein freier Ess- oder Basteltisch kann eine richtige Einladung sein, seiner seit langem schlummernden Kreativität freien Lauf zu lassen. Finde ich mein blaues Pokémon T-Shirt auf Anhieb, muss ich nicht die 15 anderen aus der Schublade reissen.

Ordnung will gelernt sein. Gib deinen Kindern diese Gelegenheit. Es soll Raum da sein fürs Spielen, fürs Schlafen, für die Hausaufgaben und fürs Nichtstun. Zu viele Reize sind der Kreativität aber nicht gerade zuträglich. Eine etablierte «langweilige» Routine kann dagegen Ruhe in den Alltag bringen.

Ich will das nicht einfach wegschmeissen!

Oft sind hierzulande die Sachen noch zu gut, um weggeschmissen zu werden. Sich davon zu trennen, ist eine Sache – aber doch nicht gleich wegschmeissen.

Im Idealfall macht dich die Art, wie du die Gegenstände, die Du nicht mehr willst, weggibst, ebenfalls glücklich. Dabei darf man ruhig ein bisschen kreativ werden. Zwischen verkaufen, spenden, weiterschenken und doch wegschmeissen, gibt es noch so viele weitere Möglichkeiten. Nicht zuletzt eignen sich diverse Facebook Gruppen wie zum Beispiel Mamalicious Toys, Mamalicious Ladies und Mamalicious Home & Living, um Dinge wegzugeben.

Und vergiss nicht, du bist erst fertig mit deinem Aufräum-Marathon, wenn alles wirklich weg ist, was du nicht mehr willst. Einfach in den Keller oder Dachboden stellen, das bringt nichts.

Wir haben als Familie wohl mehrere tausend Franken an Sachen gespendet. Das ist viel Geld. Aber ganz ehrlich, wir sparen jetzt viel mehr Geld, weil sich unser Konsumverhalten verändert hat. Wir konsumieren sehr viel bewusster und nachhaltiger. Auch das tut gut. Eine Weltreise als Familie haben wir bis heute nicht unternommen. Die Erfahrung, die ich beim Aufräumen gemacht habe, war für mich unglaublich prägend. Ich konnte den Mut aufbringen, mich als Aufräumcoach selbstständig zu machen. Ein Traum, den ich schon lange hegte. Meine „Reise“ erlebe ich nun mit meinen Kundinnen und Kunden und den wunderbaren Erfahrungen, die ich jeden Tag machen darf. Dies erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit.

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