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MEMBER SPOTLIGHT: Alex Elaine ist aus Berufung Fotografin, von Mutter zu Mutter, Mütterfotografin

von Racha Fajjari
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Von Mutter zu Mutter – ein Interview mit Alex Elaine und Racha Fajjari

Racha hat bei einem Familienfoto-Shooting am Türlersee mit Alex Elaine, schöne Erinnerungen in Bilder festgehalten, welche wir in diesem Interview mit den beiden, mit euch teilen möchten. Zwei Mütter mit insgesamt 5 Kindern, Alex ist leidenschaftliche Fotografin und Racha Unternehmerin – beide sind beruflich, sowie auch privat auf Instagram unterwegs. Wie sie die sozialen Medien sehen, teilen sie unter anderem in diesem Interview mit euch. Ein inspirierender Mum-Talk!

Was fällt dir auf, wenn du auf Instagram Mütter und ihren Profilen begegnest?

Alex Elaine: Ich finde die Profile sind oft, mit wenigen Ausnahmen, zu perfekt, zu glatt, synthetisch, gestellt und somit für mich unehrlich. Das wirkt entfernt von jeglichem Leben. Oder folge ich den falschen Profilen? Wie siehst du das?

Racha Fajjari: So hab ich mir das gar nie überlegt, wie Recht du hast! Der Grund weshalb Menschen unzufrieden sind, kann sein, weil wir als Gesellschaft das Vollkommenheitsbedürfnis an jeder Ecke fördern. „Life Hacks“ setzen ein roboterartiges Verhalten voraus, sehr linear. Das ist aber nicht die Natur des Menschen, drum fällt es teilweise so schwer oder ist so zwanghaft. Am Schluss ist man da einfach ausser Balance, als Energie-Coach sage ich immer, optimal ist 50% Positiv und 50% Negativ. Alles darunter oder drüber ist eine Disbalance. Zu schlecht in Etwas oder zu Gut in etwas, zu viel Wichtigkeit beitragen, zu wenig Wichtigkeit beitragen. Beides ist nicht ausgeglichen und deshalb fühlt es sich auf beiden Seiten nicht richtig an.

Wie würdest du es dir wünschen, wie wir Mütter einander auf Instagram präsentieren?

Alex Elaine: Ehrlich gesagt, am Besten authentisch und wahr. Sodass sich die Mütter in anderen Müttern wiederfinden können, statt dass es sie befremdet. Und dass sie sich auch schön fühlen können, wie sie sind. Das wünsche ich mir für alle Mütter. Und das zu zeigen ist auch meine höchste Vision als Fotografin. Es stört mich, weil ich finde, dass das Muttersein so heilig und intim ist, dass es eigentlich nicht so (auf diese glatte Art und Weise) zur Schau gestellt werden sollte, ausserdem erweckt es in Müttern mehr Frust und Unsicherheiten, als dass es eine Unterstützung wäre. Instagram ist ja im Grunde genommen nichts anderes als eine Dopamin-Dosis, als Belohnung für was auch immer.

Racha Fajjari: Authentizität! So wie sie sind und am schönsten ist es, wenn man spürt, dass sie sich selbst so akzeptieren und lieben wie sie sind. In guten und in schlechten Tagen. Dass sie Normalsein wieder etwas mehr kultivieren, die Realität, weniger Show Off und Heuchlerei. Übrigens wünsche ich mir auch mehr Authentizität in der Art und Weise wie Influencer Mums Werbung machen. Sie sollen doch mit Brands arbeiten, die zu ihnen passen, statt sich immer so auffällig verkrampft einem Brand anzupassen. Denn ich finde persönliches Influencer Marketing sinnvoll, wenn es ehrlich und authentisch ist.

Was ist die Motivation für Mütter, sich auf Instagram perfekt zu inszenieren, wenn nicht beruflicherhalber?

Alex Elaine: Zur Schaustellung der Mutterschaft, um sozusagen die Bestätigung zu bekommen, dass man GENUG ist. Wenn ich den ganzen Tag durch die ganzen aufgeräumten Haushalte scrolle, werde ich doch auf Dauer nur depressiv. Es schürt in mir diese Unzufriedenheit mit meinem eigenen Leben. Man kann sich ja schon abkoppeln und es ignorieren, jedoch spiegelt mein Beruf genau das immer wieder, indem ich wunderschöne, wunderbare, liebenswerte Mütter vor der Kamera habe, die oft das Gefühl haben, nicht genug zu sein. Es wird nicht verbalisiert, aber viele Mütter kommen zu mir auf der Suche nach dem Echten und dem Authentischen, das in unserem Alltag etwas verloren geht, bzw. übersehen wird. Diese kleinen Momente, die man als Mutter im Alltag einfach nicht mitbekommt. So ein Shooting ist ein Moment der Achtsamkeit. Die Mütter müssen währenddessen niemanden beeindrucken- nicht einmal sich selbst. Im richtigen Leben haben wir als Frauen und Mütter oft Mühe Lob anzunehmen, auf Instagram kompensieren wir das dann in Form von Likes. Je mehr Likes, desto mehr Zufriedenheit, aber eben nur für einen kurzen Moment. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Wenn du das kannst, dann hast du auch kein Problem mit Instagram. Aber kannst du das?

Meine schönste Erfahrung als Familienfotografin ist es, so viele wundervolle Mütter zu fotografieren und ihr inneres Strahlen festzuhalten, welches ich in jeder einzelnen Mutter sehe. Und das ist für mich die absolute Definition von Schönheit.

Alex Elaine – Mütterfotografin

Wenn du dich als 3-fache Mama jetzt mal richtig loben könntest, so wie es im Übrigen die Männer ohne Schamgefühl inklusive Humor hinkriegen, was fällt dir dazu ein?

Alex Elaine: Ich find das unglaublich, was der weibliche Körper da leistet. Wir sind sozusagen ein Wunder, wenn wir uns das mal richtig überlegen. Die Kinder wachsen in uns heran, ich habe drei Kinder auf die Welt gebracht, kriege die ganze Organisation immer wieder und über Jahre auf die Reihe, unglaublich wie ich auch als Mensch gewachsen bin. Jemand hat mir mal gesagt «Du wirst sehen, du erziehst dieses Kind, aber du erziehst noch viel mehr dich selbst als Mutter». Und genau so ist es doch. Die Wurzel allen dessen, wenn ich fotografiere, ist immer die Mutter. Das fühlt man auf jedem Familienbild, diese starke, wurzelschlagende und erdende Energie einer Mutter. Sie ist das Herzchakra der Familie.

Apropos Instagram, unfassbar, was die Mütter dieser Welt alles gleichzeitig schaffen sollen: Alles blitz blank aufgeräumt, ein Faible für Innenarchitektur, das Essen sieht immer top aus und irgendwie, findet sich den ganzen Tag lang Zeit für Stories, ein Kinderlächeln und bla bla, wie machst du das?

Alex Elaine: Natürlich schaffe ich das nicht und ehrlich gesagt, denke ich auch nicht, dass das wirklich so ist. Wie gesagt, ich empfinde vieles auf Instagram als «Illusion», die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Die man auf jeden Fall geniessen kann, aber nicht als «normal» oder als Massstab fürs eigene Leben anlegen sollte.

Wenn jemand viel postet, dann postet diese Person vielleicht drei Posts am Tag. Drei gelungene Schnappschüsse sind immer noch nur ca. 1.5 Minuten Ausschnitte aus einem Tag, diesem Leben von dieser Person. Aber wenn man halt nur die 1.5 Minuten sieht, und das jeden Tag, bekommt man eine verzerrte Auffassung der Realität. Aber das ist ja mit allem so.

Alex Elaine: Ja klar, bei diesem Gespräch gerade geht es nicht darum etwas schlecht zu machen, aber es ist in der Tat so, dass das viel mit einer Mutter macht, wenn sie sich dem obgenannten nicht bewusst ist. Alles das führt am Schluss auch nur zur Konsumlaune, mit dem man sich dann eben auch definiert und somit als Mensch limitiert.

Dein Leben ist wunderschön, deine Kinder lieben dich, deine Familie ist wunderschön, dass festzuhalten was eben da ist, was dir keiner nachmachen oder nehmen kann, deine ganz eigene Essenz, als Mensch, als Frau, als Partnerin oder als Mutter. Jede Familie ist in sich geschlossen ein kleiner perfekter Mikrokosmos der mit seiner ganz individuellen Familiendynamik mal mehr, mal weniger funktioniert, aber das ist das Leben, die Natur und eben auch der Mensch, er ist flexibel, beweglich, emotional und auch hier ist die Veränderung omnipräsent, deshalb lohnt es sich auch nicht, nach einer statischen Instagram-Bubble (oder jeden anderen von den Medien kreirten Bubble) zu streben.

Was bedeutet «perfekt» im Sinne von Muttersein?

Alex Elaine: Weisst du, ich finde das schwierig, denn mit dieser Antwort, gebe ich ja schon wieder was vor.

Hand aufs Herz, gibt es nicht Momente, wo du denkt, «Hach, ich hätte das nun gerne so und so gelöst oder gemacht»?

Alex Elaine: Man sagt ja: wenn ich als Mutter glücklich bin, dann sind es meine Kinder auch. Ich finde das stimmt, aber natürlich muss man sich selbst auch irgendwo begrenzen, das muss man mit einer gewissen Verantwortung wahrnehmen. Vielleicht eine gute Mischung aus mütterlicher Selbstlosigkeit und menschlicher Selbstliebe. Oder auch Selbstakzeptanz.

Was bedeutet dann Selbstakzeptanz in der Rolle der Mutter?

Alex Elaine: Dass man in sich selbst ruhen kann, sich nicht durch Äusseres, oder Äusserlichkeiten beeinflussen lässt. Und das ist unglaublich schwer und auch das schafft niemand immer und überall. Aber wenn man es schafft, dann hat man auch diese Stärke und Selbstakzeptanz, die man den Kindern vorleben kann. Sie sind ja kleine Seismographen, spüren alles, auch das, was wir nicht aussprechen. Also Kindern kann man ja kaum was vormachen, drum ist Authentizität wichtig. Wenn ich traurig bin, bin ich traurig. Und wenn ich fröhlich bin, bin ich fröhlich, wenn ich wütend bin, bin ich wütend und da ist es eben auch wichtig, dass man mit diesen Gefühlen dann auch verantwortlich umgehen kann, und die Erde sich danach auch wieder weiterdrehen darf.

„Das ist übrigens auch etwas, was ich fotografiere, wenn beim Shooting ein Kind (oder eine Mama) mal traurig ist, höre ich nicht auf zu fotografieren. Weil ich finde, das gehört dann auch dazu, wie die Mama dann das Kind in den Arm nimmt und tröstet. Das ist doch auch Mamasein.“

Alex Elaine

Was wäre für dich das perfekte Gesellschaftsbild des Mutterseins?

Alex Elaine: Ich habe da keine besondere Vorstellung aber viel Erfahrung im Sinne von, was ich hier als Mutter mit 3 Kindern auch zur Gesellschaft beitrage, Verantwortung für 3 Erdenbürger übernehme.
Vielen wird ja eingeredet, wenn sie Mutter werden, dass sie verzichten. Das stimmt ja gar nicht, denn man kann das ja mit freiem Willen wählen, Mutter zu werden und in dem Moment, wo ich Mutter bin, ändert sich mein Leben. Du änderst dein Leben, also gehst du eine Veränderung, eine Weiterentwicklung ein, nicht einen Verzicht. Ich liebe es, Abends todmüde ins Bett zu fallen, weil mich meine Kinder gefordert haben, andere lieben es, nach einem 10-Stündigen Arbeitstag im Office müde ins Bett zu fallen. Jedem das Seine und alles ist gut. Hören wir doch auf Erwartungen an uns selbst udn andere Frauen zu stellen und akzeptieren einander einfach so wie wir als Individuen sind.

Apropos Perfektion. Wir als Mütter haben ja schon einen Knochenjob, wenn man danach gehen würde, was die Gesellschaft von uns erwartet. Lass uns mal aufzählen, was in den Augen der Gesellschaft eine gute Mutter so ausmacht?

Alex Elaine: Super kochen, sodass es der ganzen Familie schmeckt, dass es gesund ist, die Kinder bespielen, also unterhalten, entertainen, die Wohnung soll aufgeräumt sein, sexy soll man auch noch sein und am besten noch super erfolgreich im Job, dann aber da sein wenn’s Kind krank ist. Belesen und eloquent sein wäre auch nicht schlecht und sozial, neu auch politisch hoch engagiert. Noch was?

Racha Fajjari: Dem ist (zum Glück) nichts mehr hinzuzufügen. Genau so wärs perfekt.

Wie machst du das denn?

Alex Elaine: Also ich bespiele und bespasse meine Kinder nie, ich mach das nicht, denn sie gewöhnen sich entweder ans Entertainment oder an die Langeweile, die schlussendlich ja auch meist in absoluter Kreativität enden kann, oder sonst halt einfach guttut, denn in der Ruhe liegt ja bekanntlich die Kraft. Es ist ja nicht so, dass sie den Ausgleich an Entertainment, manchmal sogar Reizüberflutung nicht schon draussen bekommen.

Racha Fajjari: Ich auch nicht. Das kenne ich aus meiner Kultur auch nicht, ausserdem sind wir als Eltern, zumindest aus der Sichtweise der Entwicklungspsychologie, nicht besonders hilfreich für die Entwicklung des Kindes, wenn wir stetig mit ihnen spielen und ihnen alles richten. Sie sollen die Welt allein mit ihren Sinnen, in ihrem eigenen Tempo und Achtsamkeit entdecken, spielen und lernen. Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, es durchzuziehen. Beiden meiner Kinder habe ich beigebracht, Langeweile zu geniessen. Langeweile ist ein Luxus.

Langeweile ist Gold wert, aber auch etwas, was man in einer schnellen, lauten Welt wie heute explizit wieder lernen und zuhause auch kultivieren muss. In dem Sinne habe ich da auch kein schlechtes Gewissen und wenn, dann denke ich an die afrikanischen Mütter, die ihre Kinder den ganzen Tag einfach mit rumtragen, trotzdem arbeiten und die Kinder auch einfach mal lassen können. Die haben auch keine Zeit, um die Kids ständig zu bespassen.

Racha Fajjari

Alex Elaine: Bei meinen Shootings versuche ich immer für die Familien Raum und Zeit zu schaffen, in der sie einfach mal losgelöst vom Alltag nur als Familie existieren können. Wo sie nicht an was denken müssen, die Handys sind weg, man muss nichts mitschleppen, nichts planen, nicht handeln, man soll einfach sich selbst sein und als Familie einfach SEIN. Das ist mir sehr wichtig und deshalb zeichnen sich meine Shootings nicht zuletzt auch durch die Vorbereitung aus, denn ich möchte keine gestellten Bilder, sondern ich möchte die Familie so festhalten, wie sie ist und lebt.

Natürlich geht’s bei Fotoas auch immer ums Aussehen, wer das verneint, verschliesst die Augen vor der Wahrheit. Selbst in dem Moment wo ich ganz authentisch fotografiert werden möchte, möchte ich das es mich berührt, wenn ich das Bild betrachte. Da wir Fotografien visuell wahrnehmen, ist es das Aus-sehen, also das was ich auf dem Bild sehe, was mich berührt.

Die Mütter haben meist zu recht auch eine ästhetische Vorstellung und diese bespreche ich mit Ihnen vor dem Shooting. Wir bereiten damit sozusagen eine Leinwand vor… mit der Location, mit der Kleidung, mit der Stimmung und dann füllen wir diese an mit dem wahren Leben, mit den Persönlichkeiten, mit Emotionen, die uns berühren. Aber bei mir steht der Mensch und seine Essenz (also das was ihn ausmacht), im Vordergrund und die Hülle, ist einfach nur die Hülle in die wir hinein oder herausschlüpfen können- im Inneren bleiben wir wer wir sind und fangen genau das auch auf den Bildern ein- weil das ist es doch am Ende, was uns berührt und was wichtig ist zu Er-innern: wer WIR sind.

Was für ein wunderschönes Interview! Danke fürs Lesen, danke für deine Zeit und wir hoffen, wir konnten dich inspirieren, zu was auch immer. Wir wünschen euch allen einen schönen Jahresausklang und ganz viel Liebe für das neue Jahr. Mehr von diesen berührenden und schönen Bilder findest du auf der Webseite von Alex Elaine, mitsamt ihrem Angebot, falls du auch Erinnerungen mit deinen Liebsten festhalten möchtest.

MEHR WUNDERVOLLE BILDER VON ALEX ELAINE…

Alles Liebe

Alex & Racha

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