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Welche Menstruationsprodukte sind die richtigen?

von Stefanie Pitzinger
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Egal ob Tampons, Menstassen oder Periodenunterwäsche: Hauptsache du und deine Vagina sind gesund und glücklich. Auf was du beim Einsatz der unterschiedlichen Produkte achten kannst, wie du deine Vulva richtig pflegst und warum wir alle viel offener über die Menstruation, Zyklus und Frauengesundheit reden sollten.

Am 28. Mai war Internationaler Tag der Menstruation. Du kannst dich fragen, warum es so etwas überhaupt braucht. Wenn du dir aber vorstellst, dass Schätzungen zufolge etwa 500 Millionen Menstruierende keinen Zugang zu Hygieneprodukten oder sauberen Toiletten haben, birgt das Thema eine grössere Dringlichkeit. Und es ist immer noch so, dass die Preise für klassische Periodenprodukte absolut unverhältnismässig sind. In gewissen Ländern sind diese sogar mit einer Luxussteuer belegt, als ob man den Luxus hätte, sich es auszusuchen, ob frau menstruiert oder nicht. Ich könnte rückblickend sicherlich vier Wochen in die Ferien gehen mit all dem Geld, dass ich in meinem Leben für Tampons ausgegeben habe. Wahnsinn, oder?

Dank vielen Aktivistinnen, Organisationen und dem 28. Mai hat sich aber einiges getan: Es wird in unserer Gesellschaft offener über die Menstruation, den Zyklus und Frauengesundheit gesprochen. In letzter Zeit konnte ich sogar ein positives Reframing der Periode beobachten. Das finde ich grundsätzlich interessant und auch bestärkend. Es wäre aber unehrlich zu sagen, dass ich es nicht auch als lästig empfinde, mich um meine Menstruation zu kümmern. Doch diese Arbeit nimmt uns niemand ab.

Fehlende Studien und Forschungsergebnisse

Seit ich mich mehr mit dieser Thematik beschäftige, fällt mir auf, dass viel zu wenig im Bereich der Frauengesundheit geforscht wird. Erschreckend, oder? Und das gilt auch für die meisten Menstruationshygieneprodukte. Man weiss weder über Tampons noch Menstassen kaum richtig Bescheid. Es gibt keinerlei Studien, welche deren Auswirkungen auf den Körper untersuchen. Ziemlich erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Produkte über Stunden im direkten Kontakt mit den Schleimhäuten der Vagina sind. Diese Schleimhäute sind enorm durchblutet und deutlich aufnahmefähiger als unsere restliche Haut, vor allem für wasserlösliche Stoffe. Sprich: Schadstoffe gelangen schnell und in einer deutlich höheren Konzentration in den Körper.

Einige Erkenntnisse in Bezug auf Menstruationsprodukte gibt es aber. Und diese habe ich hier zusammengefasst – mit einigen Infos und Tipps, die wichtig sind.

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Auswahl an Hygieneprodukte während der Menstruation:

  • Tampons
  • Binden
  • Periodenschwämme
  • Cups/Menstassen
  • Periodenunterwäsche
  • Periodenunterwäschen mit austauschbaren Einlagen
  • Waschbare Einlagen

Ich werde hier nicht auf alle eingehen, sondern nur auf die Vor- und Nachteile von Tampons, Binden, Cups und Menstassen sowie Periodenunterwäsche.

Tampons

Der Tampon kam in den letzten Jahren ziemlich in Verruf und ist trotzdem immer noch eines der beliebtesten Hygieneprodukte für Frauen. Tampons bestehen mehrheitlich aus Viskose und Plastik. 2007 hat die Zeitschrift Ökotest festgestellt, dass mehrere der untersuchten Tampons möglicherweise krebserregende Stoffe enthielten. Ein weiterer Test ergab 2018 deutlich bessere Ergebnisse – nur noch in einem Tampon fanden sie Schadstoffe. Obwohl es mittlerweile Bio-Binden und nicht gebleichte Tampons gibt, wird die Umwelt durch den entstehenden Abfall nicht zusätzlich belastet. Der Müllberg, der so über die Jahre entsteht, ist beachtlich. Auch ist vielen nicht bewusst, dass Tampons aus einem Zellstoff-Plastikgemisch bestehen. Dieser Plastik bzw. Kunststoff wird aus Erdöl hergestellt und ist somit grundsätzlich nicht biologisch abbaubar. In den Tampons sind das Kunststoffe wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE), dazu kommt oft noch eine Ummantelung aus Polymeren. Auch das Rückholbändchen von Tampons besteht teilweise aus Polyester. Wenn du also auf die Vorteile von Tampons nicht verzichten kannst – denn wohl gemerkt, sie haben viele – achte darauf, welche du kaufst!

Vorteile:

  • Überall erhältlich und in vielen Grössen und Stärken
  • Klein und handlich zum Mitnehmen
  • Weniger bis kaum Kontakt mit dem Menstruationsblut
  • Eignet sich gut für Sport inkl. Schwimmen

Nachteile:

  • Anwendung will geübt sein
  • Viel Müll
  • Kann üblen Geruch entwickeln, wenn nicht korrekt angewendet oder zu lange getragen
  • Saugt die vaginale Flüssigkeit auf und kann so zu Trockenheit führen, was das Infektionsrisiko erhöht
  • Kann zu TSS (Toxic Shock Syndrom) führen

Photo by Josefin on Unsplash

Binden

Im kaiserlichen China verfügten die Frauen schon sehr früh über Mehrweg- aber auch Einwegbinden, da sie schon Papier produzierten. In Europa hielten diese erst um 1900 Einzug. Sie wurden aufgrund von neuen Materialien und Technologien bald eines der weitverbreitetsten Periodenprodukte. Dabei ist aber zu bedenken, dass eine menstruierende Person in ihrem Leben durchschnittlich zwischen 8’000 und 17’000 Einwegbinden verbraucht. Das entspricht ungefähr 150 Kilogramm Abfall. Dazu kommt, dass in Europa nur ca. 13 Prozent davon verbrannt wird. Der Rest landet auf der Mülldeponie. Rechnet man dann noch mit ein, dass es zwischen 500 und 800 Jahre dauert, bis sich eine Standard-Binde zersetzt, ergibt sich eine ziemlich niederschmetternde Umweltbilanz. Warum aber dauert das so lange? Da sind wir wieder beim gleichen Thema, wie bei den Tampons: Damenbinden werden meistens aus Polyethylen hergestellt. Pro Binde sind das etwa so viel Plastik, wie 4 Einkaufstüten. Und diese Kunststoffe – und somit auch Kunstfasern in der Unterwäsche – sind problematisch für die Flora der Vulva und der Vagina, da diese die Vermehrung von Bakterien fördern können. Gewisse Binden enthalten beispielsweise Bisphenole (BPA, BPS), die das Hormonsystem stören. Leider sind die Hersteller nicht verpflichtet, die Zusammensetzung von Binden auf der Verpackung auszuweisen.

Vorteile:

  • Überall erhältlich und in vielen Grössen und Stärken
  • Sehr einfache Handhabung
  • Kein Risiko von TSS (Toxic Shock Syndrom)

Nachteile:

  • Viel Müll und oft Geruch
  • Menstruationsblut ausserhalb der Körpers ist eine Brutstätte für Bakterien
  • Für Sport nur beschränkt tauglich, Schwimmen gar nicht

Photo by Monika Kozub on Unsplash

Cups und Menstruationstassen

Menstassen gibt es eigentlich schon seit 1937. Heute vertreiben weltweit mindestens 40 Unternehmen ihre Menstassen und es werden jedes Jahr mehr. Doch was ist eigentlich eine Menstasse oder Cup? Grundsätzlich handelt es sich dabei um einen kleinen Becher, der etwas grösser ist als ein Tampon. Dieser wird zum Einführen zusammengedrückt oder gefaltet und sobald man ihn loslässt, saugt sich dieser durch den Unterdruck fest und fängt das Menstruationsblut auf. Bei richtiger Anwendung sitzen die Tassen ähnlich gut wie Tampons. Frauen, die eine Spirale tragen, haben öfters die Befürchtung, dass durch den leichten Unterdruck, den eine Menstruationstasse erzeugt, die Spirale verrutschen oder sogar herausgezogen werden könnte. Eine Studie, die vergleicht, wie gross dieses Risiko für Nutzerinnen von Tampons oder Menstruationstassen ist, zeigt: Hier gibt es keinen Unterschied zwischen Tampons und Tasse.

Vorteile:

  • Sehr nachhaltig und günstig, da die Tasse bis zu 10 Jahre benutzt werden kann
  • Keine Sorgen bei Sport und Schlaf
  • Hohes Fassungsvermögen verglichen mit Tampons
  • Da du das Menstruationsblut siehst, hast du einen besseren Einblick über Stärke der Blutung als auch Blutfarbe, was dir wiederum Aufschluss über deine Gesundheit gibt
  • Sie saugen die vaginale Flüssigkeit nicht auf
  • Geringeres Risiko von TSS (Toxic Shock Syndrom) verglichen mit Tampons

Nachteile:

  • Handhabung will etwas geübt sein
  • Transparente Tassen können sich mit der Zeit verfärben, dies hat aber keinen Qualitätseinfluss
  • Falls du die falsche Grösse kaufst, kannst du sie nicht zurück geben
  • Du musst das Blut wegkippen und beim Wechseln werden auch deine Finger je nach Blutungsstärke mit Blut in Kontakt kommen

TIPP: Bei Menstassen und Cups ist wichtig und entscheidend, die richtige Grösse zu wählen.

Photo by Monika Kozub on Unsplash

Periodenunterwäsche

Periodenunterwäsche erlebt seit einigen Jahren einen richtigen Hype. Die Produkte machten eine riesige Entwicklung durch: Die ersten Modelle erinnerten schwer an Briget Jones Grossmutterschlüpfer. Doch heute gibt es eine riesige Auswahl von Marken und Modellen, von denen man gar nicht mehr sieht, dass es sich um Periodenunterwäsche handelt. Eine meiner persönlichen Lieblingsmarken ist Oiaa. Diese bekam grosse Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Raum, als das deutsche Start-up bei der Höhle des Löwen dabei war und KEIN Investment bekam.

Vorteile

  • Bequem und kann nicht verrutschen
  • Können bis zu 2 Jahre verwendet werden
  • Gut kombinierbar mit Tasse oder Tampons für besseren Schutz
  • Saugstark: bis zu  2-3 Tampons
  • Haben eine antibakterielle Wirkung

Nachteile

  • Unpraktisch für unterwegs/Ferien (wegen waschen)
  • Zeitaufwand für die Reinigung in 2 Schritten: erst von Hand mit kaltem Wasser auswaschem dann in der Waschmaschine bei max. 40 Grad waschen
  • Antibakterielle Schicht der Wäsche enhält oft Biozide oder Silber, was allergische Reaktionen oder aber auch die Flora deiner Vulva negativ beeinflussen kann
  • Bei sehr starker Periode weniger geeignet
  • Preis versus Nutzungsdauer weniger gut als bei der Menstasse

Photo by Oiaa

Wichtig: Ungedingt Periodenunterwäsche ohne Biozide kaufen! Denn obwohl diese Wirkstoffe einer möglichen Infektion entgegen wirken, können sie die Vulva- sowie die Vaginalflora schädigen.

Tipps für mehr Wohlbefinden und Hygiene während der Menstruation

Egal für welches Produkt du dich entscheidest. Eines muss einem klar sein: Während sich deine Vagina durch die Periode selbst reinigt und den Körper so entgiftet, kann deine Vulva dies nicht. Deshalb ist es wichtig, sie während dieser Zeit richtig zu reinigen, sodass sich kein Menstruationsblut und Gewebe zwischen den Labien ansammelt. Denn dies wäre eine ideale Brutstätte für allerlei Bakterien, die da nicht hingehören.

Wie reinigst du deine Vulva richtig?

Damit der Säureschutzmantel bestehen bleibt und die Schleimhäute deiner Vulva ihren Job richtig machen können, nämlich die Vagina vor Bakterien und Pilzen zu schützen, solltest du diese auf keinen Fall mit Seife reinigen. Denn dies trocknet die Vulva aus. Ihre Schleimhäute besitzen nämlich zu wenig Talgdrüsen, um dies wieder auszugleichen.

Darum bietet sich die Reinigung mit Reinigungsölen an. Diese sollten aber pflanzlichen Ursprungs und von Bioqualität sein. Das Reinigen mit solchen Ölen hat folgende Vorteile:

  • Reinigung des Intimbereichs ohne die Haut auszutrocknen
  • Beugt Irritationen vor
  • Verhindert Dysbalancen und unterstützt die natürliche Flora von Vulva und Vagina
  • Frei von Tensiden und reizenden Chemikalien
  • 100% natürlich

Die Reinigungs- und Pflegeprodukte von Lip Intimate Care werden deswegen von Gynäkologinnen und Hebammen empfohlen.

Photo by Lip Intimate Care

Wie kannst du deine Vulva schützen?

Viele Frauen wollen sich trotz der Periode nicht einschränken und zum Beispiel Sport betreiben oder schwimmen. Zu Recht! Dabei gilt es aber ein paar unangenehme Dinge zu verhindern, wie Scheuern oder aber das «Hallenbad-Problem».
Du kannst deine Vulva schützen, indem du entweder das Reinigungsöl auf der Vulva belässt oder einen Balsam aufträgst. Beides verringert oder verhindert das Scheuern und bildet einen Schutzfilm gegenüber dem Chlorwasser. So ist die Vulva nicht nur vor Bakterien geschützt, sondern trocknet auch nicht aus.

Zudem ist es wichtig, speziell beim Tampon oder der Menstasse vor und nach dem Einsetzen die Hände zu waschen, damit keine Keime in die Scheide gelangen. Beide Produkte sollten regelmässig gewechselt werden und nicht länger als 4-8 Stunden im Körper verbleiben.

Trage wenn möglich Unterwäsche ohne Kunstfasern und wechsle diese täglich, oder noch besser, ab und zu mal unten ohne tut gut!

Ich hoffe, ich konnte dir helfen, dich im Dschungel der Menstruationsprodukte etwas zu orientieren. Und auch hier ist es so: probieren geht manchmal über studieren.

Alles Liebe

Stefanie

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Quellen:

https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/darum-wissen-wir-viel-zu-wenig-ueber-tampons-und-co/

https://zerowasteswitzerland.ch/de/2021/11/04/alternativen-zu-binden-tampons/

https://www.mamie-net.shop/bpa-bps-nocif-sante/

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