Ein Gastbeitrag von Naturheilpraktikerin Elena Cajka
Meine Grossmutter hatte für alles einen Tee. Sie stammte aus Kefalonia, und in ihrer Küche roch es immer ein bisschen nach griechischen Bergkräutern. Als Kind fand ich das altmodisch. Inzwischen mache ich beruflich nichts anderes. In meiner Naturheilpraxis in Zürich-Witikon sitzen mir jede Woche Mütter gegenüber, die sich genau das wünschen, was meine Grossmutter selbstverständlich hatte: etwas Sanftes, das man selbst in der Hand hat, wenn die Nase wieder läuft oder der Bauch zwickt. Dafür braucht niemand einen Kräutergarten. Drei Töpfe auf dem Küchenfenster reichen.

Thymian aus dem eigenen Topf, der Duft bleibt an den Fingern.
Warum überhaupt Heilpflanzen?
Kinder machen im Jahr viele kleine Infekte durch. Das ist normal und gehört zur Entwicklung des Immunsystems. Trotzdem stehen wir Mütter daneben und möchten etwas tun. Genau hier hat die Phytotherapie ihren Platz: nicht als Ersatz für die Kinderärztin, sondern als Begleitung im Alltag. Ein warmer Tee am Abend kann den Körper unterstützen. Und er gibt dem Kind etwas, das mindestens so wichtig ist wie jeder Wirkstoff: Zuwendung.
Eines möchte ich vorwegnehmen. Nicht alles, was pflanzlich ist, ist automatisch harmlos. Gerade bei Kindern gilt: weniger ist mehr, und im Zweifel fragen Sie eine Fachperson.
Thymian bei Husten
Thymian wächst problemlos im Topf auf dem Fensterbrett und duftet schon beim Vorbeigehen. Wer einmal frühmorgens auf einer griechischen Insel aufgewacht ist, kennt diesen Duft in gross: Thymian liegt dort über dem ganzen Land, und mit jedem Atemzug fühlt es sich an, als ginge die Lunge ein Stück weiter auf. In der Küche würzt er den Znacht. Als Tee hat er sich bei Husten und Erkältungen seit Generationen bewährt. Ein Thymiantee am Abend, mit etwas Honig für Kinder ab einem Jahr, ist oft das erste, was ich Familien mitgebe. Viele Kinder mögen ihn übrigens lieber, wenn sie beim Zubereiten mithelfen durften.
Salbei bei Halsweh
Auch Salbei gedeiht auf dem Küchenfenster. Bei Halsweh kann ein lauwarmer Salbeitee wohltuend sein, grössere Kinder können damit gurgeln. Und geben Sie Ihrem Kind ruhig einmal ein Blatt zum Zerreiben zwischen den Fingern. Der Geruch, der dabei aufsteigt, bleibt hängen. Viele Kinder erinnern sich später genau daran.
Kamille für fast alles
Kamille ziehen Sie im Sommer im Topf oder kaufen die getrockneten Blüten in Apotheke oder Drogerie. Bei Bauchweh, innerer Unruhe oder als Abendritual hat sich Kamillentee vielfach bewährt. Oft wirkt der vertraute Duft allein schon beruhigend. Wenn ich nur eine Pflanze für die Familien-Teekiste nennen dürfte, wäre es diese.
Das Ritual zählt
Was ich Müttern am liebsten mitgebe, ist gar nicht die Pflanzenliste. Es ist das Ritual. Ein Kind, das beim Teekochen helfen darf, erlebt zwei Dinge gleichzeitig: Mir wird geholfen, und ich kann selbst etwas tun. Das unterschätzen wir Erwachsenen gern.
Wann gehört das Kind zur Ärztin?
Heilpflanzen begleiten, sie ersetzen keine medizinische Abklärung. Bei hohem Fieber, Atemnot, starken Schmerzen, bei Säuglingen oder wenn Ihr Bauchgefühl Alarm schlägt: ab zur Kinderärztin. Phytotherapie kann ergänzend unterstützen, mehr verspreche ich nicht.
Keine schnellen Versprechen, keine Wundermittel. Aber ein ehrlicher Blick und natürliche Wege, die sich bewährt haben.

Riechen, fühlen, staunen: Elena Cajka bei ihren Kräutern im eigenen Garten.
Über die Autorin
Elena Cajka ist Naturheilpraktikerin TEN mit Schwerpunkt Phytotherapie für Kinder und Erwachsene. In ihrer Naturheilpraxis in Zürich-Witikon und online begleitet sie Familien in mehreren Sprachen.
Mehr über ihre Arbeit mit Kindern: www.naturheilpraxis-cajka.ch/therapien/kinderheilkunde/



