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FRAG PILLOU: über das Lernen und die unglaublichen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns

von Racha Fajjari

Hallo! Ich bin Pillou, der sprechende Pullover. Ich bin auf die Erde gekommen, um Kinder und Eltern zu unterstützen. Sie mutiger, selbstbewusster und intuitiver zu machen.

In meinem ersten Buchabenteuer: Pillou der sprechende Pullover, das Geheimnis der Regenbogenwolle, kannst Du mehr über meine Intension und mein Dasein erfahren. Am 14.12.2020 erscheint mein 2. Abenteuer: Oh Schreck, Pillou ist weg! Es geht um die Macht der Vergebung, Freundschaft und das Glück seine Gefühle offen zeigen zu können.

Ich wünsche mir, dass Ihr Menschen, gross wie klein, beginnt hinter den Vorhang zu schauen. Dass Ihr versucht Euch selbst und andere besser zu verstehen und auch alte Systeme zu hinterfragen.

Alles hat eine Ursache, einen Beginn und wenn man diesen kennt und versteht, kann man andere Blickwinkel einnehmen und Lösungen anstreben, die für alle eine Win-Win Situation bedeuten.

Eines meiner Lieblingszitate lautet: Zusammen sind wir stark!

In dieser Kolumne: «Frag Pillou» werden wir Themen aus der Mamalicious Community aufgreifen und diese aus der Perspektive des Kindes, beleuchten. Es geht dabei nicht um richtig oder um falsch, nur darum, aus seinem eigenen Gedankenkarussell austeigen zu können, um neue Ansichten gewinnen zu können. Vielleicht hast Du ja, Lust, Dich darauf einzulassen?!

Heute in der 3. Kolumne geht es um das Lernen, und die unglaublichen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns.

Racha führte die Tage ein Interview mit einem Schuldirektor, er hatte die Hausaufgaben für alle Schüler abgeschafft. Doch dies ging nicht lange gut. Die Eltern begannen auf die Barrikaden zu gehen. Dieser Protest führte soweit, dass der Direktor zurückruderte, und es nun wieder Hausaufgaben an besagter Schule gibt.

Ich möchte nicht beurteilen, ob etwas gut oder schlecht ist, ich möchte Euch aufzeigen, warum ihr Menschen so reagiert, wie ihr reagiert.

Jeder von Euch ist mit Hausaufgaben gross geworden. Selbst Eure Gross- und Urgrosseltern berichten darüber, dass Hausaufgaben zu ihrem Alltag gehörten. Damit erscheint es logisch, dass das System lernen nur funktioniert, wenn es zu Hause nachgearbeitet wird. Unser Gehirn schlägt demnach Alarm, wenn ein für gut befundenes, jahrzehntealtes System abgeschafft werden soll. Doch ist die Art und Weise, wie lernen definiert und durchgeführt wird noch zeitgemäss?!

Ich erlebe, dass sich die angeborene Lernlust bei Kindern und Erwachsenen gleichermassen in Lernfrust verwandelt hat. Nur wenige Kinder haben Freude am schulischen Lernen. Schule erscheint, wie ein enges Korsett, ein enger Rahmen, der nur wenig Freiraum für Individualität und Freude lässt. Viele Erwachsene haben nach Schule/Ausbildung und Studium, die Nase voll, sich noch weiterzubilden.

Vielleicht ist es an der Zeit bestehende Systeme zu hinterfragen, anstatt die Probleme auf die Kinder zu projizieren und ihnen einen lebenslangen Versager Stempel zu verabreichen?!

Aus biologischer Sicht heisst Lernen, lebendig bleiben. Wer nicht mehr lernt, ist tot!

Neue Erfahrungen, neues gelerntes,  wirken, bis auf der Ebene der Gene, sprich, sie verändern die Genexpression. Das passiert bis ins hohe Alter und bildet die Grundlage für die Lernfähigkeit des Gehirns.

Doch ist das Gehirn kein Organ, dass für sich alleine existiert, es ist untrennbar mit dem Körper verbunden. Und damit nicht genug, denn alles was in einem menschlichen Gehirn passiert, ist immer abhängig von Erfahrungen, die die betreffende Person beim Heranwachsen und im Zusammenleben mit anderen Menschen gemacht hat.

Lernen ist ein Gemeinschaftserlebnis, und ein Ausdruck von Lebendigkeit. Es bezieht sich bei weitem nicht nur auf schulisches Lernen, sondern geht weit darüber hinaus. In den ersten Lebensjahren sind Kinder unglaublich offen für neue Erfahrungen, sie sind neugierig, begeisterungsfähig, lerneifrig und kreativ. Dies ist ein Schatz, der gehegt und gepflegt werden darf. Lernen ist ein Grundprogramm des Menschen.

Je mehr Druck, Angst und Verunsicherung von aussen erzeugt werden, entstehen im Gehirn Unruhe und Erregung. Dieses führt dazu, dass die Wahrnehmung über die Sinneskanäle nicht mit den abgespeicherten Erinnerungen abgeglichen werden kann. Es kann also nichts mehr dazugelernt und im Gehirn verankert werden. Es kann sogar sein, dass das Durcheinander im Kopf so gross wird, dass man sich an Erlerntes nicht mehr erinnern kann, und man keinen Zugriff mehr hat.

Der berüchtigte Blackout, den Mia in meinem ersten Abenteuer:» Pillou der sprechende Pullover»,  erlebt. Ihre Eltern setzen sie mit Nachhilfe und ihren Erwartungen so unter Druck, dass am Ende gar nichts mehr geht und die Noten trotz erhöhter Massnahmen immer schlechter werden.

Je mehr Leistungsdruck entsteht, umso mehr verliert das Kind seine Offenheit, Lebensfreude, Neugier und Vertrauen in Neues, und das Lernen wird erschwert.

Gerald Hüther, ein berühmter Neurobiologe sagt: «Wer das Lernen von aussen zu lenken versucht, unterdrückt damit genau das, was das Lernen erst lebendig macht: die Freude am Lernen – oft sogar ein Leben lang. Gelernt werden kann nur, was für ein Lebewesen bedeutsam ist. Es braucht die Anregung von anderen.»

Lernen findet also immer und überall, im Kontext des Miteinanders statt.

Hüthers Bücher:

  • «Was wir sind, und was wir sein könnten»
  • «Education for Future»
  • «Mit Freude lernen»

Zeigen auf, was in unserem Leben möglich wäre, wenn wir mit Freude, Leichtigkeit und Begeisterung an das Lernen herangehen würden.

Kinder lernen am besten, wenn sie den Lernstoff selbst bestimmen dürfen! Sie sind von Geburt an Entdecker, die es lieben ihre Neugierde auszuleben. Sie erschliessen die Welt durch Versuch und Irrtum. Je häufiger sie in der Lage sind, ein Problem zu lösen, desto mehr wächst ihr Selbstvertrauen, Mut und Sicherheit. Wenn sie dann noch gelobt und gesehen werden, wächst auch ihr Vertrauen in sich und ihre Fähigkeit andere Menschen glücklich zu machen.

Der Lernstoff muss emotional geladen sein, Kinder, wie auch Erwachsene brauchen das Gefühl, dass sie etwas lernen, was für sie und ihr Leben wirklich wichtig ist. Eine neue Lernerfahrung kann also nur nachhaltig sein, wenn es im Gehirn zur erforderlichen inneren Erregung kommt. Passiert dies nicht, kann nur anstrengende Wiederholung von bis zu 50 Mal das Gelernte verankern, was Lernfrust zur Folge hat. Dabei kann es auch schon reichen, dass der Lehrmeister als bedeutsam und wichtig eingestuft wird.  Wenn eine emotionale Beziehung zur Lehrperson besteht, wird der Lernstoff automatisch emotional aufgeladen.

Alles was einen Menschen berührt, was unter die Haut geht, weil es einer Begabung entspricht, aus einem Bedürfnis entsteht, die eigene Entdeckerfreude herauskitzelt, von einer bedeutenden Person stammt, wird also erfolgreich im Gehirn abgespeichert.

Hüther sagt: «Immer dann, wenn man sich für etwas begeistern kann, wird im Gehirn eine Art Giesskanne in Gang gesetzt, die einen Dünger freisetzt, der die im Zustand der Begeisterung besonders intensiv genutzten Netzwerke zum Wachsen bringt. Begeisterung ist Dünger fürs Gehirn. Kleine Kinder begeistern sich fünfzigmal am Tag. Deshalb können sie auch so viel lernen.»

Bevor wir eintauchen, wie Ihr als Eltern mehr Lernfreude in Eurer Familie aktivieren könnt, noch ein paar Tipps, wie Ihr als Vorbilder Eure Kids positiv beeinflussen könnt. Eure Haltungen übertragen sich 1:1 auf Euren Nachwuchs.

  • Begeistert Euch an der Schönheit der Welt! Betrachtet neugierig Pflanzen, Tiere, die Natur.
  • Gestaltet Beziehungen zu anderen Menschen als Win-Win Situation. Wachst gemeinsam über Euch hinaus, unterstützt, statt Euch zu benutzen um die eigene Bedürftigkeit zu stärken. Oder einen eigenen Nutzen aus der Beziehung zu haben.
  • Sucht nach dem Sinn des Lebens, nach der eigenen Berufung. Bleibt neugierig, offen, lebendig.
  • Führt das Leben, dass Eurer Sinngebung entspricht, nicht das, was man von Euch erwartet.
  • Hinterfragt Euer Handeln, Eure Gewohnheiten, Euren Alltag. Ist es das was Ihr wirklich tun wollt oder agiert ihr aus Programmierungen heraus?!
  • Was tut Euch gut? Wo und wie könnt Ihr auftanken? Orientiert Euch an Euch und nicht an anderen.
  • Lernt immer wieder neues kennen! Entdeckt, gestaltet, seid neugierig, hinterfragt, bleibt wach.
  • Was gestern richtig war, muss heute nicht mehr richtig sein. Alles darf sich wandeln!

Wenn Ihr diese Ideen umsetzt, verhindert Ihr das Einrosten des Gehirns, und seid ein wunderbares Vorbild für Eure Kids.

Und nun geht es ans spielerische Lernen. Stellt Euch folgende Fragen:

  • Was mag mein Kind besonders?
  • Wo  und bei welcher Aktivität vergisst es Raum und Zeit?
  • Welche Begabungen und Talente hat mein Nachwuchs?
  • Welche Interessen/Faszination zeigt er/sie?

Die tiefsten Bedürfnisse eines Kindes stimmen mit seinen Fähigkeiten und Stärken überein. Jeder trägt seine Gaben bereits in sich, sie benötigen nur Raum und Vertrauen um sich entfalten zu dürfen.

Verstärke diese Begeisterung mit:

  • Unterstützung, Verständnis und Akzeptanz
  • Büchern, gemeinsamer Zeit zum Thema
  • Musik
  • Handwerk und Handarbeiten
  • Dokumentationen
  • Besuche/Urlaubsreisen
  • Kurse/Ausbildungen/Unterricht
  • Freiheit und Zeit sich der Leidenschaft widmen zu dürfen

Übrigens ist man nie zu jung für etwas!

Kennt Ihr Andre Stern? Der Musiker, Autor, Redner, Handwerker hat in seinem 49-jährigen Leben niemals eine Schule von innen gesehen. Bereits als Kind war er in der Lehre bei einem Kunsthandwerker, um Metall formen zu lernen. Er wurde zum talentiertesten Lehrling, den der Kunsthandwerker je hatte.

Autos, Motoren lernte er durch Lego Technik kennen. Dies faszinierte ihn so sehr, dass er mit 14 eine wandelnde Koryphäe im Bereich Autos, Modelle, Mechanik wurde. Neben Zauberei, Fotografie, Musik, Tanz, Theater begeisterte er sich für so viele unterschiedliche Dinge, die seine Eltern in allen Belangen förderten. Sie machten ihn zu einem faszinierenden, begeisterungsfähigen und talentierten Erwachsenen. Seine Sprünge von einem Hobby zum anderen wurden respektiert. Seine Kindheit verlief in einer Umgebung voller Vertrauen, ohne Prüfungen, Druck oder Furcht.

Im Buch «…und ich war nie in der Schule» erzählt er aus seiner bewegenden und faszinierenden Kindheit voller Entdeckerdrang.

Vielleicht ist es an der Zeit, die eigenen Überzeugungen zu respektieren, in vollem Bewusstsein Entscheidungen zu treffen, seine Einzigartigkeit zu leben und die Zukunft selbst zu schreiben, und dies alles an seine Kinder weiterzugeben?

Wir lernen für das Leben und nicht nur für die Schule, Lernen ohne Sinn ist sinnlos!

In diesem Sinne…

Bis bald! Dein Pillou

FRAG PILLOU: über das Lernen und die unglaublichen Fähigkeiten des menschlichen Gehirns

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